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Das Entstehen der Skulptur für den Deutschen Ingenieurpreis Straße und Verkehr

Patiniertes  Bronzeblech (Tombac) als
historischer Bezug
Foto: Uwe Hoyer

Mo, 26.05.2014

Begonnen hat alles im August 2012. Ich bekam einen Anruf von Jürgen Abs. Er berichte mir als Leiter des Arbeitskreises Neuer BSVI Preis 2013 davon, dass vorgesehen sei, den künstlerisch gestalteten Straßenkanaldeckel als bisherigen 1. Preis durch eine Skulptur (keinen Pokal) zu ersetzen. Jürgen fragte, ob ich ggf. für einige Entwürfe zur Verfügung stehen würde.

Über den Anruf war ich erfreut. Nach einer kurzen Überlegungsphase fühlte ich als Ingenieur und ehemaliges Mitglied im Arbeitskreis einen gewissen Reiz, sich der künstlerischen Herausforderung zu stellen. Ich sagte zu, einige Entwürfe zu fertigen. Daraus wurden mehrere längere Abende, denn die Zielsetzung, entsprechend der Rahmenbedingungen eine repräsentative ausstellungswürdige Skulptur, die sowohl eine technische als auch künstlerische Komponente beinhalten sollte, war Neuland für mich. Trotzdem fesselte mich die Aufgabe regel-
recht, und je mehr ich über das Wesentliche des Berufes der Verkehrsingenieure mit all seinen technischen Disziplinen nachdachte, um so schneller beschrieb mein Bleistift bzw. meine Feder immer wieder Linien, Kurven und Tangenten durch gedachte Landschaften und Städte aufs Papier. Ich dachte an Straßen, Brücken und Tunnel in Form von Adern, die verbinden und versorgen. Wie aber mache ich dem Betrachter das Elementare unserer Arbeit erkennbar? Aus meinen Vorstellungen entstand eine Straßenverteilung in Verbindung mit einem Überführungsbauwerk auf stabilem Grund.

Neben festen Kriterien wie nicht höher als 40 cm, nicht schwerer als 10 kg und Anderes war als variable Vorgabe die Wahl des Materials zu treffen. Herstell- und bezahlbar sollte sie natürlich ebenfalls sein. Zunächst dachte ich an Beton in Verbindung mit Asphalt und Naturstein, besuchte einen Steinmetz, der aber wenig experimentierfreudig war und abwinkte. Da erinnerte ich mich an den mir bekannten Frank Schönemann, einen Kunstschmied und Metallgestalter aus der Region mit einem guten Ruf. Nach meiner telefonischen Schilderung schien er interessiert, sichtete dann die Entwürfe und im Ergebnis beschlossen wir zusammenzuarbeiten.

Angeregt durch einen Impuls von Herrn Schönemann, wollten wir im Weiteren auf der Grundlage des favorisierten Entwurfes zur Entscheidungsfindung ein Modell auf eigenes Risiko fertigen. Nach weiteren Überlegungen und unterschiedlichen Betrachtungen hinsichtlich der Aussagekraft der Skulptur wurden die Materialien und Arbeitstechnologien für die Gestaltung des Skulpturmodells gewählt. Dieser Prozess war ausgesprochen spannend, aber die Begeisterung und gleichzeitige Ausgeglichenheit Herrn Schönemanns gaben mir schließlich auch Zuversicht.

Die Grundlage bildete eine schiefe Ebene aus Edelstahl/Blech. Die keilförmigen und rechteckigen Seiten des Körpers wurden mit Glasperlentechnik fein strukturiert. Die obere Fläche der schiefen Ebene wurde zu beiden Seiten als Kontrast Hochglanz poliert. Dieser Edelstahlkörper soll eine solide Statik und stabiles Fundament bei allen Straßen-und Brückenbauten symbolisieren.

Auf der polierten linken oberen Ecke ist entsprechend der festen Vorgaben die Erkennbarkeit des BSVI-Logos erhaben und der Text: „ Deutscher Ingenieurpreis Straße und Verkehr“ mit der jeweiligen Kategorie – Baukultur, Verkehr im Dialog, Innovation – in Lasertechnologie platziert. Der restliche Großteil der oberen Fläche ist mit einem chemisch patinierten Bronzeblech (Tombac) abgedeckt. Das Tombacblech wurde zuvor im Schmiedefeuer auf 550° C erhitzt und an den umlaufenden Kanten abgeschmiedet (gestaucht). Dies soll einen Bezug zu historischen Technologien herstellen. Die Maße des Grundkörpers sind: Fläche: 20 x 20 cm, Höhe: 80 x 30 mm, Gesamtgewicht der Skulptur: ca. 3 kg. Über diesem Grundkörper schwingen sich kühn verteilende Straßenführungen aus Edelstahl, welche einen Bezug zu heutigen modernen Bauweisen aufnehmen sollen. Oberhalb poliert und seitlich sandgestrahlt ergibt sich ein umgehender Kontrast zum vorhergehenden Aufbau. Das geschwungene Überführungsbauwerk aus künstlich gerostetem Cortenstahl soll einen besonderen Blick auf den Brückenbau geben und uns erinnern – Alles ist vergänglich.

Zur ersten Präsentation machte ich mich im November auf den Weg nach Köln. Im Besprechungsraum platzierte ich das Modell der Skulptur mittig auf den Tisch und deckte es ab. Zur Entstehung und Herangehensweise zeigte ich die angefertigten Skizzen und Zeichnungen, reichte sie weiter und erklärte dabei den spannenden Weg zum favorisierten Vorschlag. Nun wollte ich die Fachkollegen nicht länger warten lassen. Ich bat den Konrad Rotfuchs, das weiße Tuch vom mitgebrachten Modell zu entfernen. Das von Herrn Schönemann angefertigte „Urmodell“ fand überraschend äußerst positiven Anklang. Unsere Mühe schien sich gelohnt zu haben.

Übereinstimmend wurden in der Sitzung geringfügige Veränderungen bzw. Ergänzungen festgelegt, deren Machbarkeit ich mit dem Kunstschmied zu prüfen und umzusetzen hatte. So wurde z. B. mehrheitlich festgelegt, das umlaufende Bronzeblech bis an den Rand des Grundkörpers zu führen und die Kupfernieten wegzulassen. Schließlich sollten die Fugen an den Seiten des Grundkörpers nicht mehr sichtbar sein. Es wurde der Auftrag erteilt, eine endgültige Skulptur für die Präsidialsitzung im April 2013 zu fertigen. Groß war meine Freude, als am 20. April das Gremium zur Präsentation der Skulptur einstimmig und mit Beifall das Ergebnis unserer Arbeit bestätigte. Als Straßenbauingenieur im Vorruhestand und als Mitglied der Ingenieurvereinigung einen solchen Beitrag leisten zu dürfen, war eine völlig neue Erfahrung.

Ich bedanke mich auch im Namen des Kunstschmiedes Herrn Schönemann, dessen Kreativität und Begeisterung bei der Metallgestaltung auf mich übersprang. Wir haben den gemeinsamen Nenner zielführend gefunden.

Den künftigen Preisträgern wünschen wir viel Freude an der Skulptur.

Uwe Hoyer, BD im Vorruhestand
VSVI Sachsen-Anhalt

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