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Wegweisende und teils überraschende Ergebnisse!

Mo, 14.09.2020

Die beteiligten Firmen, Ingenieurbüros und Verwaltungen im Bereich der Verkehrsinfrastruktur sind mit ihren Beschäftigten nicht die Gewinner dieser Pandemie, doch sind sie bislang wirtschaftlich gut durch diese Zeit gekommen und stützen damit die Wirtschaft insgesamt.

Nur 5 % der befragten Unternehmen haben die Corona Soforthilfe in Anspruch genommen und kaum eines der Förder- oder Hilfsprogramme trifft den Bedarf der Firmen und Ingenieurbüros. Eine Entlastung von den Sozialabgaben, den Steuervorauszahlungen und bei den Lohnnebenkosten wären sinnvolle finanzielle Hilfen für die Unternehmen (die MwSt. Senkung wird eher kritisch bewertet).

Nur 1/4 der Firmen, Büros und Verwaltungen hatten vor der Pandemie einen Krisen-/Notfallplan. Nunmehr haben mehr als 2/3 einen entsprechenden Plan erarbeitet.

2/3 aller Befragten schätzen ein, dass die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen aktuell Auswirkungen auf ihre berufliche Tätigkeit haben. Die Folgen werden dabei meist negativ bewertet und sich nach Ansicht der Umfrageteilnehmer in den nächsten 12 Monaten eher negativ weiterentwickeln.

Ein Hauptthema der Branche ist und bleibt derzeit der Fachkräftemangel (80% der Befragten). Während der Corona-Pandemie hat sich die Situation nicht deutlich verändert.

In 1/3 aller Unternehmen wurden betriebliche Maßnahmen (personeller oder finanzieller Art) sehr kurzfristig umgesetzt: Entwicklung von Hygienekonzepten, Beantragung von Kurzarbeit und Zuschüssen und eine Beschleunigung im Rechnungswesen. Auch Investitions- und Einstellungsstopps waren die Folge.

Die Bauwirtschaft und Ingenieurbüros im Verkehrswegebau erhalten ihre Aufträge zu 85% aus dem öffentlichen Sektor. 1/3 der Befragten erwarten aktuell eine negative wirtschaftliche Auswirkung für ihr Unternehmen. Sie befürchten Haushaltsengpässe und –beschränkungen verbunden mit einem Rückgang der öffentlichen, insbesondere der kommunalen Investitionen. Verbunden mit Verzögerungen bei den Planungsprozessen sind eine reduzierte Auftragslage und damit eine schlechte Auslastung des Personals.

Lösungsansätze werden in einer kontinuierlichen Fortsetzung begonnener Planungen, einem Bürokratieabbau und Veränderungen bei der Vergabe der Leistungen gesehen. Weitere Vorschläge sind die stärkere Nutzung von Freihändigen Vergaben, die vermehrte Anwendung von Verhandlungsverfahren oder Mehrjahresverträge. Auch in den Verwaltungen wird in einem Bürokratieabbau bei den Leistungsvergaben ein Lösungsansatz gesehen.

Im öffentlichen Sektor hat es bislang nur wenige Haushaltssperren gegeben. 1/4 aller Bau- und Planungsvorhaben laufen verzögert an bzw. sind worden unterbrochen. Diese Verschiebungen haben zu 75% haushalts- und ressourcenbedingte Ursachen. Weitere Gründe sind verzögerte Genehmigungs- und Zustimmungsprozesse.

Die Verwaltung rechnet mit einer längeren Dauer der Projekte (80%) und mit einer geringeren Qualität in der Bearbeitung (50%). Aus Unternehmenssicht haben die Beschränkungen der Corona-Pandemie jedoch nur einen geringen (negativen) Einfluss auf die Zeitdauer und die Qualität der Projekte. Ursachen sind dabei Lieferengpässe und fehlendes Personal.

Die Corona-bedingten Auswirkungen auf die Wissenschaft (Ausbildung der Studierenden) zeigen sich hauptsächlich in der Organisation und Durchführung von digitalen Lehreinheiten, dem fehlenden Austausch mit den Studierenden und dem fehlenden Feedback der Studierenden.

Die Ausbildung leidet unter dem reduzierten Praxiskontakt und Verzögerungen bei der Abwicklung der Prüfungen. Insgesamt wird eine Verlängerung der Ausbildungszeit bis zum Abschluss erwartet.

Lehren aus der Pandemie:

Die Kinderbetreuung ist bei 1/3 der Befragten ein wichtiges Thema und ist für die Hälfte dieser Gruppe derzeit nicht zufriedenstellend gelöst. Hier sind die Arbeitgeber und der Staat gefordert.

Das Arbeiten im Homeoffice sowie Telefon- und Video-Konferenzen sind in weiten Bereichen ein geeignetes Mittel zur Erledigung von Aufgaben. Sie haben aber in der Baubranche auch ihre Grenzen.

In allen Organisationen wurde die Arbeit der veränderten Situation angepasst. Durch mehr Arbeiten im Homeoffice, weniger Reisetätigkeit, Flexibilisierung der Arbeitszeiten sowie einer verstärkten digitalen Kommunikation kam es nur zu geringen Einschränkungen bei der Aufgabenerledigung.

Die digitale Infrastruktur muss aber weiter ausgebaut werden, damit neue Wege der Kommunikation, wie digitale Bürgerbeteiligung und das BIM (Building Information Modeling) umgesetzt werden können. Das BIM bietet Möglichkeiten bei der Beschleunigung von Verwaltungs-, Planungs- und/oder Bauprozessen und ist weiter in allen Bereichen voranzutreiben.

Die Zeit nach der Corona Pandemie:

Über 2.000 der 17.000 Mitglieder der BSVI bzw. der Landesvereinigungen der VSVI haben an einer bundesweiten Umfrage zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie teilgenommen. Die Befragten erwarten bei der künftigen Verkehrsmittelwahl für den ÖPNV eine etwa gleich starke bis leicht geringere Nutzung. Beim Individualverkehr wird der PKW nicht an Bedeutung verlieren. Die Bedeutung des Radverkehrs wird deutlich zunehmen.

Forderungen der BSVI:

Mit Sorge erkennt die Branche, dass besonders im kommunalen Bereich die Finanzmittel für Infrastruktur knapper werden und fordert hier von der Politik eine erkennbare Position. Für alle Beteiligten beim Neubau, Ausbau sowie der Erhaltung der Infrastruktur ist Planungssicherheit ein wesentliches Steuerungselement gegen die Ungewissheiten der Krise.

Die BSVI fordert ein klares Bekenntnis zu bestehenden Planungs- und Investitionsprogrammen für die Verkehrsinfrastruktur, einen Abbau von bürokratischen Hemmnissen, und ein Festhalten an der eingeleiteten Mobilitätswende.

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