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Jurysitzung „Deutscher Ingenieurpreis Straße und Verkehr 2017“

Jurysitzung zum Deutschen Ingenieurpreis Straße und Verkehr am 28. Juli 2017 in München

Fr, 28.07.2017

In diesem Jahr wird der „Deutsche Ingenieurpreis Straße und Verkehr“ nun bereits zum dritten Mal vergeben. Man könnte meinen, dass die Jurysitzung für die Preisträger der Kategorien „Baukultur“, „Innovation“ und „Verkehr im Dialog“ entsprechend routiniert, wenn nicht gar einstudiert ablaufen würde. Aber bei der diesjährigen Jurysitzung gab es wieder Premieren zu feiern: Es fungierte nicht nur Rainer Popp (BSVI-Präsident) erstmalig als Juryvorsitzender, die Sitzung fand auch in den neuen Räumlichkeiten der BSVI in München statt. Zum Bewerbungsschluss im Februar lagen 50 Beiträge auf dem Tisch, aus denen die BSVI je Kategorie drei Projekte nominiert hat. Die Jury, die aus Persönlichkeiten der Fachöffentlichkeit zusammen­gesetzt war, hatte nun die schwierige Aufgabe, aus den drei pro Kategorie nominierten Projekten den Preisträger zu bestimmen.

Nominiert in der Kategorie Baukultur sind:

  • Stadtraumerneuerung Osterstraße Hamburg
    (eingereicht von ARGUS Stadt- und Verkehrsplanung)

Bei der Stadtraumerneuerung Osterstraße wurde ein Straßenraum geschaffen, der gleichermaßen für alle Verkehrsteilnehmer nutz- und erfahrbar ist. Schlüsselelement ist dabei ein höhengleicher multifunktionaler Mittelstreifen. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Neusortierung des Straßenraums ohne eine Anpassung der bestehenden Bordkanten und mit Erhalt der Bestandsbäume möglich war.

  • Freiheitsplatz Hanau
    (Planungsteam aus Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH, netzwerkarchitekten GmbH, club L94 Landschaftsarchitekten GmbH)

Dem Planungsteam ist mit der Neugestaltung des Hanauer Freiheitsplatzes der Spagat zwischen Aufenthaltsfunktion und funktionalem ZOB gelungen. Der fast schon spielerische Umgang mit der altbekannten Sägezahnaufstellung u.a. in Kombination mit großen, baumartigen Schirmen macht den Platz zu einem offenen, einladenden Raum, in dem man sich gerne aufhält.

  • Erneuerung der Echelsbacher Brücke (B 23)
    (Staatliches Bauamt Weilheim)

Die Echelsbacher Brücke ist ein Meisterwerk der Ingenieurbaukunst aus den 1920er Jahren, das wegen starker Schäden erneuert werden muss. Die einmalige Bogenbrücke nach dem System Melan-Spangenberg, die eine Spannweite von 130 m aufweist, steht unter Denkmalschutz und befindet sich in einem FFH-Gebiet. In Zukunft soll ein abgesetzter Gewölbebogen das bestehende Tragwerk schützend überspannen. Mit einem Planungsdialog und einem Ingenieurwettbewerb ist eine einzigartige Lösung gefunden worden, das marode alte Meisterwerk weiterleben zu lassen, den heutigen Verkehrsbedürfnissen gerecht zu werden und beim Bau die Natur weitgehend zu schützen.

Nominiert in der Kategorie Innovation sind:

  • Verkehrs- und Baustellenkoordination mit dem Softwaretool ROADS
    (Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer der Freien und Hansestadt Hamburg)

Der Bau und die Sanierung der Straßen und Autobahnen im Großraum Hamburg müssen koordiniert werden, um die Leistungsfähigkeit der Verkehrsinfrastruktur während der Bauphasen zu erhalten. Daher wurde eine organisations­übergreifende Baustellenkoordination geschaffen, die mit Hilfe neuester Software, der IT-Lösung „roads“, und einem tischähnlichen Touch-Screen alle Baumaßnahmen und die erforderlichen Umleitungsstrecken miteinander verknüpft.

  • eMobility CUBE Wolfsburg
    (Stadt Wolfsburg)

Im Zuge des Programms „Schaufenster Elektromobilität“ wurde in der Stadt Wolfsburg ein multimodales eVerleihsystem aufgebaut. Der eMobility Cube ist deutschlandweit das erste Verleihsystem, das elektromibiles Car- und Bikesharing über eine einzige App ermöglicht. Das Projekt hat einen hohen Innovationsgrad, weshalb es zeitweise als Demonstrationsprojekt im „Schaufenster Elektromobilität“ angelegt war.

  • Untersuchung der Verkehrsqualität auf Hauptverkehrsstraßen mit Hilfe von Bürgerinnen und Bürgern
    (TSC Beratende Ingenieure für Verkehrswesen GmbH & Co KG)

Die Stadt Mönchengladbach ist mit dem Konzept Citizen Science neue Wege gegangen, um den motorisierten Stadtverkehr zu verbessern und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Redu­zierung von Treibhausgas, Luftschadstoffen und Lärm zu leisten. Mönchengladbacher Autofahrer konnten freiwillig ihre Fahr- und Verbrauchsdaten zur Verfügung stellen, sodass die Stadt mittels der empirischen Daten die Qualität der Verkehrssteuerung auf Grüne Wellen verbessern konnte.

Nominiert in der Kategorie Verkehr im Dialog sind:

  • Bremerhaven ist Zukunft – Initiative 7+1
    (BIS Bremerhavener, Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH)

Die private Initiative 7+1 hat sich zur Aufgabe gestellt, die Bürger der Stadt Bremerhaven in ein Gespräch zu bringen und der Stadt wieder ein Gesicht zu geben. In mehreren World Café-Veranstaltungen wurde mit Bürgern u.a. über Stadtgestaltung und Straßenraum geredet und  dabei Ideenskizzen entworfen. Für die fachliche Tiefe der Diskussionen wurden zu den World Cafés hochrangige Persönlichkeiten der einzelnen Fachdisziplinen eingeladen, um Impulsvorträge zu halten.

  • Projektkommunikation Radschnellwege
    (P3 Agentur für Kommunikation und Mobilität)

Mit Radschnellwegen wird in Deutschland ein neues Kapitel der Verkehrsplanung aufgeschlagen. Dafür wurde von P3 ein umfangreiches Kommunikationskonzept entwickelt, das darauf abzielt, politische und administrative Entscheider, Planer, Verbände und Bürger über Radschnellwege „aufzuklären“. Dazu gehörte u.a. die Erstellung eines Leitfadens als Orientierungshilfe bei Planung, Bau und Betrieb von Radschnellwegen, Bürgerbroschüren sowie ein Fachkongress.

  • Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung
    (Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein)

Das Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung ist eine innovative Form der Bürgerbeteiligung an einem der größten Infrastruktur­projekte Nordeuropas. Das unabhängige Forum bildet das gesamte Meinungsspektrum ab und sorgt seit mittlerweile fünf Jahren für Transparenz und Mitwirkungsmöglichkeit, sodass Betroffene zu Beteiligten werden. Über einen Live-Stream kann sich zudem jeder Interessierte einfach zu den Sitzungen dazu schalten oder sich später die Aufzeichnungen anschauen.

Alle neun nominierten Projekte werden nach der Preisverleihung noch ausführlich in den Zeitschriften Straße + Autobahn und Straßenverkehrstechnik vorgestellt.

Die Jurymitglieder waren von allen nominierten Arbeiten begeistert, sodass die Entscheidung für einen Preisträger sichtlich schwer fiel. Dies machte sich in der Jury dadurch bemerkbar, dass lange und leidenschaftlich diskutiert wurde.

Dabei kamen grundsätzliche Fragestellungen auf, die jeder Straßenbau- und Verkehrsingenieur kennt: Wie soll die Stadt von morgen aussehen? Wie kann baukulturelles Erbe erhalten werden? Wodurch wird Aufenthaltsqualität eigentlich erlebbar? Und welche Beteiligungsform bringt uns wirklich weiter? Die hohe Qualität aller nominierten Projekte spiegelte sich in der Tiefe dieser Diskussion wieder. Teilweise driftete die Diskussion beim Versuch, die nominierten Projekte der Kategorie Innovation in absolute und relative Innovationen einzustufen, fast schon in philosophische Sphären ab. Äußerungen wie „wenn jemand grün hat, hat ein anderer eben rot“ brachten die notwendige Erdung und sorgten für die  heitere Atmosphäre, trotz der schwierigen Entscheidungen.

Insgesamt betrachtet war die Jurysitzung wieder ein voller Erfolg – was natürlich neben den herausragenden Projekten an der hochkarätig besetzten Jury lag. Der Dank der Jurymitglieder galt der BSVI-Vorjury sowie der gesamten Organisation seitens der BSVI rund um die Sitzung bzw. den Preis.

Jetzt aber gilt die Aufmerksamkeit den Nominierten, die noch ausharren müssen, denn die Preisträger des „Deutschen Ingenieurpreises Straße und Verkehr 2017“ werden erst im Zuge der feierlichen Preisverleihung am 22. September 2017 in der Bauhaus-Stadt Dessau bekannt gegeben. Ein Event, das man sich schon einmal im Kalender notieren sollte.

Jurymitglieder 2017:

  • Dipl.-Ing. Rainer Popp (BSVI-Präsident und Juryvorsitzender)
  • Reiner Nagel (Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur)
  • Dipl.-Ing. Rainer Ueckert (Vorstandsmitglied der Bundesingenieurkammer)
  • Dipl.-Ing. Elfriede Sauerwein-Braksiek (Vorsitzende der FGSV, Direktorin des Landesbetriebs Straßenbau NRW)
  • Prof. Dr.-Ing. Hartmut H. Topp
  • Prof. Stefan Strick (Präsident der BASt)
  • Dipl.-Ing. Michael Hoppstädter (1. Vorsitzender der VSVI Rheinland-Pfalz und Saarland, Direktor des Landesbetriebs für Straßenbau Saarland)
  • Reinhard Hübsch (SWR)

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